Offener Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz
,Eure Exzellenz!
Am 13. Oktober 2025 haben Sie, die Deutschen Bischöfe, Ihre „Erklärung zur Debatte über die Wehrpflicht“ veröffentlicht. Ich vermag meine Enttäuschung, mein Entsetzen dazu kaum in Worte fassen, will, ja muss es aber dennoch nachfolgend versuchen.
Wie die Regierung und ihre Parteien, wie die Leitmedien, wie die Machteliten in unserem Land halt, so stecken auch Sie, die deutschen Bischöfe, zunächst den Rahmen ab, innerhalb dessen ein Diskurs aus Ihrer Sicht zulässig ist. Und dieser Rahmen besagt, dass sich unsere Sicherheitslage mit dem „völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine“ im Jahre 2014 „grundlegend gewandelt“ wie 2022 „dramatisch verschärft“ habe und die Bedrohungsszenarien „realistisch“ seien. Weiter halten Sie die Aufrüstung für konsequent und meinen, sich auf die „weit überwiegende Auffassung der Fachleute“ berufen zu können.
Im Ukrainekrieg sind bereits mehr als eine Million Soldaten, meist jüngere Männer, getötet, erschossen, zerfetzt worden. Eltern haben ihre Kinder, Frauen ihre Partner, Kinder ihre Väter für immer und wiedernatürlich früh verloren. Und an jedem Tag geht das Sterben weiter, jeden Tag Hunderte, Tausende. Was sagen Sie dazu? Kein Wort!
Der Angriff Russlands ist ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht! Das benennen Sie mit Recht. Aber was ist mit den Völkerrechtsverstößen des Westens, insbesondere denen der USA? Was ist mit der NATO-Osterweiterung, was mit den Aktivitäten des CIA seit Anfang dieses Jahrhunderts in der Ukraine, was mit den „Regime-Change“ 2014, was mit dem seither tobenden, innerukrainischen Krieg? Wissen Sie in der Tat nicht einzuschätzen, welche Rolle der Vormachtanspruch der USA der Entwicklung zu diesem Stellvertreterkrieg zukommt, kennen Sie die wirtschaftlichen Interessen westlicher Konzerne an den beispiellos fruchtbaren Böden der Ukraine nicht? Nicht die Gier nach deren und Russlands Bodenschätzen?
Was sagen Sie dazu? Kein Wort!
In den letzten gut 200 Jahren, beginnend mit Napoleon im Jahre 1812, wurde Russland Dreimal vom Westen aus überfallen. Dreimal rückten gigantische Heere über die Weiten der heutigen Ukraine auf Moskau vor und brachten größtes Leid über das Land. Zuletzt starben etwa 27 Millionen Russinnen und Russen durch deutsche Soldaten!
Was sagen Sie dazu? Kein Wort?
Können Sie sich wirklich nicht vorstellen, dass sich nach diesen Erfahrungen eine kollektive Angst vor dem Westen in das Bewusstsein der russischen Bevölkerung eingebrannt hat? Haben Sie wirklich keine Idee davon, was es aus russischer Perspektive bedeuten könnte, wenn deutsche Politiker „den Krieg nach Russland tragen“ wollen, Russland, die große europäische Kulturnation, zum „ewigen Feind“ erklären?
Was sagen Sie dazu? Kein Wort!
Kennen Sie wirklich keine soliden, westliche Quellen, wie z. B. den „Bedrohungsbericht der US-amerikanischen Geheimdienste, die eine Bedrohung der NATO oder eines seiner Mitgliedsstaaten durch Russland explizit verneint? Keine Studie, wie die von „Amnesty International“, die nachweisen, dass die europäischen NATO-Staaten aktuell auch ohne die US-Truppen, den russischen im konventionellen Bereich weit überlegen sind? Wissen Sie nicht, dass aber Russland, wie die USA, über ca. 5.000 einsatzbereite, atomare Sprengköpfe verfügt. Der Einsatz Nur weniger davon bedeuten das Ende unserer Zivilisation!
Erfahrene Diplomaten, wie z. B. Günter Verheugen, betonen, dass wir seit 1945 noch nie so nahe am Rande eines 3. Weltkrieges standen wie derzeit. Dabei ist nicht einmal der explizite Angriffsbefehl einer der Seiten das Hauptrisiko, sondern ein technisch-menschlicher Irrtum, der wegen der extrem verringerten Reaktionszeiten zu einer nicht mehr anhaltbaren Kettenreaktion führt.
Zu all dem schweigen Sie ohrenbetäubend. Sagt aber Jesus nicht „selig die keine Gewalt anwenden, …“ und „Selig die Frieden stiften, …“ (Matthäus 5, 3 – 11). Steht „Du sollst nicht töten“ jetzt unter einem Vorbehalt?
Sie schweigen dazu! Stattdessen jedoch mahnen Sie, die den Frauen in der Kirche die höheren Weihen verweigern, die Gleichberechtigung beim Wehrdienst an. Statt unsere Söhne zu schützen, liefern Sie unsere Töchter dem Irrsinn des Krieges aus!
Würde Jesus „den Krieg nach Russland tragen“? Würde er Aufrüstung als „Konsequenz einstufen? Ganz sicher nicht!
Russlands Kirche steht stramm an der Seite der Macht, Sie, die Deutschen Bischöfe, auch. Und wieder segnet die Amtskirche die Waffen auf beiden Seiten im Namen desselben Gottes.
Hochachtungsvoll
Burkhard Bujotzek