2. Debattenraum
Zweiter „Debattenraum live“ des BSW Hamburg
Am 25.06.2026 fand im Kulturschloss Wandsbek der zweite „Debattenraum live“ des BSW Hamburg statt. Thema des Abends war „Wohnen und Bauwesen“.
In Europa ist Deutschland mit Abstand das Mieterland Nummer 1. Über die Hälfte der Bevölkerung (52,8 %) lebte hierzulande im Jahr 2025 zur Miete. Wie in allen deutschen Großstädten ist auch der Hamburger Wohnungsmarkt extrem angespannt. Es gibt zu wenig Wohnraum für sehr viele Bewerber. Besonders in beliebten Vierteln wie der Sternschanze, Ottensen oder Winterhude steigen die Mieten stark an. Die Durchschnittsmieten bei Neuvermietungen liegen oft deutlich über dem qualifizierten Mietenspiegel.
Das BSW Hamburg ist sich dieser Problematik bewusst und vertritt die Interessen der Menschen die in Hamburg wohnen, unabhängig davon, ob sie zur Miete wohnen, Mitglied einer Genossenschaft sind, eine Eigentumswohnung bewohnen oder im eigenen Haus leben.
In die Thematik führte Arne Raffeldt, der die Veranstaltung moderierte, ein und stellte die Wohnungsmarktsituation in Hamburg detailliert dar.
Die für die Wohnungsmarktsituation Hamburgs wesentliche Rolle der SAGA wurde von Anke Ehlers in einem Referat dargestellt. Die SAGA Unternehmensgruppe ist das größte kommunale Wohnungsunternehmen Deutschlands und die mit Abstand größte Vermieterin in Hamburg. Die Stadt Hamburg besitzt 100 Prozent der Anteile. Fast jeder siebte Mensch in Hamburg lebt in einer SAGA-Wohnung. Die Verantwortung der SAGA, die seit Jahren im dreistelligen Millionenbereich Gewinne erwirtschaftet, ist sowohl für die Miethöhen wie auch den Neubau von Mietwohnungen gravierend.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war eine Präsentation von Kenneth Friedrich zur Hamburger Bauordnung. Die neue HBauO ist mit zahlreichen Änderungen seit dem 01.01.2026 in Kraft. Der Anspruch, das Bauen in Hamburg schneller, einfacher und günstiger zu gestalten ist in weiten Teilen gelungen. Wesentliche Punkte sollen hier nur in Kürze wiedergegeben werden:
Die neue Hamburgische Landesbauordnung erleichtert das Bauen sowohl im Bestand und vereinfacht Aufstockungen und Umnutzungen, gleichzeitig werden kleinere, standardisierte Wohngebäude ab 2026 genehmigungsfrei – ebenso wie Wärmepumpen, Ladestationen für E-Autos und Balkonkraftwerke. Die Anforderungen an Umnutzungen zu Wohnraum wurden deutlich reduziert, was erhebliche Kostenreduzierungen verspricht. Die bisherige Pflicht zur Herstellung von Kfz-Stellplätzen wird aufgehoben und von einem flexiblen, zeitgemäßen Mobilitätsnachweis (z.B. ÖPNV) abgelöst. Für die Errichtung neuen Wohnraums gilt ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren.
Die Teilnehmer der Veranstaltung haben anschließend die folgenden Leitfragen diskutiert:
• Warum sind Mieten sowie Preise für Wohnraum und Boden so stark gestiegen?
• Wie kann der Bestand von attraktivem Wohnraum zu bezahlbaren Mieten erhalten und
ausgebaut werden?
• Wie kann der Einfluss von Spekulanten begrenzt werden?
• Wie kann die Schaffung von Wohnraum in Hamburg sozial, bedarfsgerecht und
zukunftsfähig weiterentwickelt werden?
• Wie schaffen und erhalten wir lebenswerte Stadtteile?
• Wie schaffen wir gutes Wohnen?
Zum Abschluss des informativen Abends wurde vor dem Hintergrund der neu gegründeten LAG “Wohnen und Bauwesen“ die Absicht bekräftigt, in regelmäßigen Treffen vertiefende Fachgespräche zu führen, Positionspapiere zu erarbeiten und Kampagnen zu initiieren.