Die Forderung, das Klima müsse geschützt werden, ist irreführend

Werfen wir zunächst einen Blick auf die verwendete Sprache, bevor wir tiefer in das Thema einsteigen. Die Begriffe der Klimadebatte sind uns so vertraut geworden, dass wir sie oft verwenden, ohne ihre Bedeutung zu hinterfragen. Gerade darin zeigt sich, wie stark bestimmte Deutungsmuster bereits unser Denken prägen.

Was meinen wir also eigentlich, wenn wir sagen, wir müssten das „Klima schützen“? Schützen, wovor? Vor uns? Vor Veränderung?

Die Absurdität die in der Forderung, man müsse das Klima „schützen“ steckt, offenbart sich, wenn man einzelne, das Klima bestimmende Faktoren herausgreift. Niemand würde zum Beispiel behaupten, wir könnten – oder müssten – die Luftfeuchtigkeit „schützen“. Oder den Wind. Oder den Regen.

Geht es uns also wirklich darum, das Klima, so wie es aktuell ist, um seiner selbst willen „zu bewahren“? Wohl eher nicht. In Wirklichkeit geht es um unseren eigenen Schutz. Im Speziellen um eine Begrenzung der Erderwärmung, die im Mittelpunkt der Argumentation der Klimaschützer steht. Denn höhere Temperaturen beeinflussen die weiteren Faktoren, wie Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung maßgeblich und dadurch ändern sich die Bedingungen für die Landwirtschaft und das Leben der Menschen im Allgemeinen.

Wenn sich die Lebensbedingungen dramatisch verändern, kann das zu Problemen führen. Verschieben sich klimatische Bedingungen auf der Erde, können zum Beispiel Trockenzonen entstehen, in der Folge Ernten ausfallen oder den Anbau von Nutzpflanzen zumindest erschweren. Dasselbe gilt für die Haltung von Nutztieren, die auf bestimmte klimatische Bedingungen angewiesen sind. Möglicherweise werden Landflächen sogar unbewohnbar, zum Beispiel durch Überflutung oder Austrocknung. In der Folge ist mit Migration zu rechnen, es kann zu Auseinandersetzungen um landwirtschaftliche Nutzflächen kommen und um Wasser.

Mit Klimaschutz ist also in der aktuellen Debatte gemeint, dass man die Menschheit vor negativen Folgen aufgrund höherer Durchschnittstemperaturen schützen möchte.

Die Folgen von Klimaveränderungen sind aber nicht immer nur negativ. Es gibt auch Gewinner, zum Beispiel, wenn zuvor Gebiete, in denen Ernten eher karg ausgefallen sind, durch wärmeres oder feuchteres Klima begünstigt werden.

Auch fallende Temperaturen wirken sich negativ aus: Sind mehr Flächen von Eis und Schnee bedeckt, fallen sie für die Landwirtschaft weg.

Das Klima ändert sich nicht gleichmäßig auf der ganzen Erde. Es kann zu Effekten kommen, die unter Umständen in einigen Gebieten der allgemeinen Entwicklung entgegengehen. Dass der Golfstrom dafür sorgt, dass in seinem Einflussgebiet die Temperatur höher ist, als dem jeweiligen Breitengrad entsprechend, ist anerkanntes Wissen. Ob er sich nun in naher Zukunft tatsächlich abschwächt, auflöst oder umdreht, was einige Klimaforscher prognostizieren – in jedem Fall würde das dazu führen, dass die Durchschnittstemperaturen in Europa fallen und nicht steigen würden.

Es ist also kompliziert.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass die abnehmende Luftverschmutzung in Mitteleuropa dazu führt, dass weniger Kondensationskerne in der Luft zu weniger Wolkenbildung führen und so weniger Sonnenlicht reflektiert wird. Das führt zur Erwärmung der Erdoberfläche. Man könnte also sagen, dass saubere Luft „schlecht fürs Klima“ ist. Soll man nun in der logischen Konsequenz die Luft künstlich verschmutzen, damit die Temperaturen nicht noch weiter steigen? Vermutlich nicht.

Der Mensch selbst ist gegenüber Temperaturveränderungen recht unempfindlich. Menschen besiedeln alle Klimazonen, von den Tropen bis in die Polarkreise. Eiszeiten wurden überstanden, genauso, wie Warmzeiten. Es ist also keinesfalls so, dass die Menschheit in ihrer Existenz gefährdet ist, wenn sich die Temperaturen um wenige Grade nach oben oder unten verändern.

Im Gegenteil: Gerade dramatische klimatische Veränderungen haben – langfristig – die Entwicklung des Menschen maßgeblich beeinflusst: Umweltveränderungen förderten Mobilität, Anpassungsfähigkeit und Innovationen.

Die seit ca. 12.000 Jahren ungewöhnlich stabilen klimatischen Verhältnisse führten zur Sesshaftwerdung des Menschen und ermöglichten auf der Basis von Ackerbau und Viehzucht die Entstehung komplexer Gesellschaften und Hochkulturen und schließlich zur globalen Dominanz unserer Art.

Stabile Lebensbedingungen sind deshalb im allgemeinen Interesse der Menschheit, damit Konflikte um Ressourcen und Konflikte durch Migration in beherrschbarem Rahmen bleiben.

Ein vernünftiger Ansatz könnte also der Versuch sein, durch menschliche Einflussnahme auf die Temperatur bestimmenden Faktoren die globale Temperatur so auszusteuern, dass möglichst wenig negative Auswirkungen auf die Menschheit zu erwarten sind. Ein möglichst stabiles Temperaturniveau überall auf der Welt wäre dabei das Ziel.

Anschließen müsste sich eine Debatte darüber, ob dieses Ziel überhaupt erreichbar und ethisch vertretbar wäre und falls man es für möglich hielte, müssten zunächst geeignete Mittel identifiziert werden. Chancen und Risiken müssten analysiert, die Methoden mit den zu erwartenden geringsten negativen Auswirkungen für die Umsetzung gewählt werden.

Das passiert aber nicht.

Monokausalität und das CO2 Dogma

„Wenn wir Null CO2 Emissionen erreichen, steigt die Temperatur nicht weiter. Tun wir es nicht, laufen wir in eine Katastrophe.“

Das ist in Kurzform nicht nur das, was Klima-Aktive propagieren, sondern aktuell auch Grundlage für weit reichende politische Entscheidungen.

Das Erreichen des Netto-Null-Ziels hat höchste Priorität. Innerhalb weniger Jahre soll es durch den vollständigen Verzicht der Energiegewinnung auf Basis fossiler Brennstoffe erreicht werden.

Dabei handelt es sich im Grunde um eine Frage des Glaubens, denn es gibt keinerlei Beweise für – oder gegen – die aufgestellte These und die Argumentation steckt voller Widersprüche.

So bleiben zum Beispiel weitere Faktoren, die das Klima beeinflussen, unbeachtet. Sämtliche negativen Rückkopplungseffekte, wie erhöhte Wolkenbildung bei höheren Temperaturen, veränderte Meeresströmungen, die Abkühlung bringen können oder bislang nicht erklärbare Phänomene, wie die Zunahme von Schneefällen in der Antarktis, werden nicht in die Überlegungen einbezogen.

Unerwünschte Folgen der Maßnahmen, die zur Reduzierung der CO2 Emissionen durchgesetzt werden, sowohl wirtschaftlich, als auch sozial und selbst für die Umwelt, werden nicht in ausreichendem Maß untersucht, anerkannt und berücksichtigt.

Ob der Mehrbedarf an Strom, der zum Beispiel mit der Elektrifizierung im Verkehr oder beim Heizen einhergeht, überhaupt durch Sonne- und Windkraft erzeugt werden kann, wird nicht in genügender Tiefe untersucht. Probleme, wie Speicherung und Transport von Strom über große Strecken, sind nicht abschließend geklärt.

Selbst Energiegewinnung durch Atomkraft wird in diesem Zusammenhang wegen des geringen Ausstoßes von CO2 von den Befürwortern als „grüne“ oder nachhaltige Technologie angesehen und zur Erreichung des Netto-Null Ziels gefordert. Hier gilt in besonderem Maß, dass die negativen Folgen (Störanfälligkeit, unkalkulierbares Risiko, dramatische Folgen bei Unfällen, Probleme mit der Endlagerung, „strahlende Hypothek“ für Generationen …) und die fehlende Wirtschaftlichkeit in der Debatte nahezu komplett ignoriert werden. Ebenfalls keine Rolle spielen die Probleme bei der Beschaffung von Uran. Dass wir selbst über kein Uran verfügen, sondern dass es aus Russland, Kasachstan, Usbekistan oder Namibia kommt, wird überhaupt nicht thematisiert.

Der Energiebedarf von Rechenzentren, die für KI gebaut und immer größer werden, führt nicht dazu, dass die Nutzung von KI grundsätzlich infrage gestellt oder eingeschränkt wird. Im Gegenteil: KI wird als Zukunftstechnologie gefeiert und gefördert.

Trotz des vergleichsweise geringen Anteils unserer eigenen CO2 Emissionen und der weiterhin steigenden Nutzung fossiler Brennstoffe weltweit, was all unsere Bemühungen vergeblich macht, hält man am Netto-Null-Ziel fest.

Das Netto-Null Ziel wird nicht anhand der tatsächlichen Auswirkungen auf die Temperaturentwicklung überprüft, sondern lediglich an der Erreichung von Zwischenzielen, die sich allein auf die CO2 Emissionen selbst beziehen. Das eigentliche Ziel – eine Begrenzung der Erderwärmung – steht nicht im Fokus.

Das Netto-Null Ziel hat sich zum Selbstzweck gewandelt, das – koste es was es wolle – erreicht werden soll, obwohl klar ist, dass sich der gewünschte Effekt nicht einstellen wird.

Der Schuss geht nach hinten los

Dass durch den ideologisch getriebenen Kampf um das Klima eine Gegenbewegung provoziert wird, ist naheliegend. Leider führt gerade das aktivistische Überdrehen der so genannten Klimaretter dazu, dass immer mehr Menschen sich von jeglichen Bemühungen um schonenden Umgang mit Ressourcen und um nachhaltige Technologien abwenden. Das eigentlich wichtige und richtige Anliegen, achtsam mit der Umwelt und sparsam mit Ressourcen umzugehen, gerät auch dadurch ins Hintertreffen.

Dabei gibt es sehr gute Gründe dafür, Emissionen möglichst gering zu halten, Energie effizient zu erzeugen und mit so geringen Eingriffen in die Natur wie möglich – ohne dass man dafür das Weltklima bemühen muss.

So ist es zum Beispiel allein schon aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen sinnvoll, möglichst unabhängig von anderen Staaten zu sein. Die Nutzung von Wind, Sonne und Wasserkraft vor Ort trägt dazu bei, reicht aber zu einer vollständigen Energieversorgung nicht aus. Eine erfolgreiche Wirtschaft braucht also bezahlbare Energie aus verschiedenen Quellen. Ein ausgewogener Energiemix erhöht Versorgungssicherheit, Preisstabilität und Unabhängigkeit von einzelnen Märkten. Wenn Energie aus erneuerbaren, fossilen und anderen verfügbaren Quellen zuverlässig und kostengünstig bereitgestellt wird, stärkt das Unternehmen, schafft Arbeitsplätze und fördert langfristigen Wohlstand. Und aus dieser Position heraus kann Geld in Bildung und Forschung gesteckt werden und dazu verwendet werden, noch effizientere und umweltfreundlichere Erzeugung von Energie zu entwickeln.

Ein breiter Technologiemix bei der Erzeugung von Energie und eine geringe Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe sind im nationalen Interesse. Weil eine möglichst umweltfreundliche, nachhaltige Energieerzeugung und das Verteilen und Minimieren der Risiken Kosten spart, die Lebensqualität erhöht und dabei hilft, Konflikte zu vermeiden.

Ausgerechnet die starke Fokussierung auf das Netto-Null-Ziel erschwert aber die Entstehung einer risikoarmen, umweltfreundlichen und bezahlbaren Energieversorgung, weil wirtschaftliche Stabilität, Versorgungssicherheit und die Entwicklung technologischer Alternativen gegenüber starren Emissionsvorgaben in den Hintergrund treten – während der gewünschte Effekt auf das Klima ausbleibt.

Dass parallel zu den Bemühungen, die Energiewende zu vollenden, sich also komplett von fossilen Brennstoffen zu lösen und allein auf wetterabhängige Energieerzeugung zu setzen, Kriege um Öl und Gas geführt werden, ist reinster Zynismus. Für die USA hat der „Klimaschutz“ ganz offensichtlich keine Bedeutung mehr. Andere, nationale Interessen wiegen dann doch ungleich schwerer. Mit dem Narrativ, dass der Klimawandel eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit darstellt, ist das jedenfalls nicht vereinbar.

In der Gesamtschau muss also die Frage erlaubt sein, aus welchen Gründen der so genannte Klimaschutz überhaupt Einzug in die Weltpolitik gehalten hat, wer davon profitiert und warum das Narrativ trotz eklatanter Widersprüche und unsauberer Herleitung immer noch Bestand hat. 

 

Dirk Heurich

Hamburg, im Mai 2026